Ein Gebrauchter statt eines Neuwagens? Eine kluge Entscheidung, die den Geldbeutel schont. Aber Vorsicht: Ohne gründliche Inspektion kann der Traum vom günstigen Auto schnell zum Albtraum werden. Diese Checkliste macht dich zum Experten und hilft dir, eine fundierte Entscheidung zu treffen – damit du lange Freude an deinem neuen Gebrauchten hast.
Vorbereitung – Bevor die Suche überhaupt losgeht
Bevor du dich auf die Suche machst, überlege dir genau, was du brauchst und was du ausgeben kannst. Welcher Fahrzeugtyp bist du? Was ist dir wichtig – viel Platz, sparsamer Verbrauch, eine schicke Ausstattung? Lege ein realistisches Budget fest. Denk dabei nicht nur an den Kaufpreis, sondern auch an die laufenden Kosten: Versicherung, Steuern und mögliche Reparaturen wollen bezahlt werden. Online-Portale bieten einen guten Überblick über den Markt.
Schritt 1: Papiere und Historie – Das verrät dir der Gebrauchte
Der erste Blick gilt den Dokumenten. Das ist wie ein Blick in die Vergangenheit des Autos. Fordere folgende Unterlagen vom Verkäufer an:
- Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I und II): Wie viele Vorbesitzer hatte der Wagen? Viele Besitzerwechsel in kurzer Zeit können ein Warnsignal sein. Stimmt die Fahrgestellnummer mit den Angaben in den Papieren überein? Sind alle Daten korrekt eingetragen?
- TÜV-Bericht: Wann war die letzte Hauptuntersuchung (HU)? Gab es Mängel? Ein neuer TÜV ist ein Pluspunkt.
- Serviceheft: Ein lückenlos geführtes Serviceheft zeigt, dass der Wagen regelmäßig gewartet wurde. Sind alle Einträge plausibel?
- Weitere Dokumente: Rechnungen von Reparaturen und Wartungen geben Aufschluss über die Fahrzeughistorie, wie Experten von mobile.de empfehlen. Wichtig sind auch das COC-Papier (vor allem bei Importfahrzeugen) und Belege über eventuelle Zusatzausstattungen.
Nimm dir Zeit, die Dokumente genau zu prüfen. Unstimmigkeiten oder fehlende Unterlagen sollten dich stutzig machen. Frag im Zweifelsfall nach!
Schritt 2: Außenansicht – Mehr als nur schöne Fassade
Jetzt geht’s ans Auto selbst. Nimm dir Zeit für eine gründliche Inspektion – am besten bei Tageslicht und trockenem Wetter. Mach dir Notizen zu allen Auffälligkeiten.
Lack und Karosserie – Versteckte Hinweise entdecken
- Lack unter der Lupe: Suche nach Unebenheiten, Farbunterschieden, Kratzern und Dellen. Ein Lackstärkenmesser kann helfen, nachlackierte Stellen zu finden – ein Hinweis auf mögliche Unfallschäden.
- Rostfahndung: Rost ist der Feind jedes Autos. Typische Stellen sind Radläufe, Türkanten, Schweller und der Unterboden. Sieh genau hin: Blasen im Lack oder braune Verfärbungen sind Alarmzeichen.
- Spaltmaße: Sind die Abstände zwischen den Karosserieteilen gleichmäßig? Wenn nicht, könnte das auf unsachgemäße Reparaturen hindeuten.
Scheiben, Reifen, Räder – Sicherheit im Blick
- Rundumblick: Kontrolliere alle Scheiben auf Steinschläge und Risse. Kleine Steinschläge können sich schnell ausweiten.
- Reifencheck: Wie viel Profil haben die Reifen noch? Mindestens 1,6 mm sind gesetzlich vorgeschrieben, aber mehr ist besser (2 mm bei Sommerreifen, 4 mm bei Winterreifen). Schau dir auch das Alter der Reifen an (die DOT-Nummer verrät es dir – die letzten vier Ziffern stehen für Produktionswoche und -jahr). Sind die Reifen ungleichmäßig abgefahren? Das kann auf Probleme mit der Achseinstellung hinweisen. Wie carwow.de betont, kannst du den Zustand der Reifen bei der Preisverhandlung nutzen.
Schritt 3: Innenraum – Komfort und Technik auf dem Prüfstand
Der Innenraum gibt Aufschluss darüber, wie der Vorbesitzer mit dem Auto umgegangen ist.
- Sitze und Polster: Sind sie beschädigt, fleckig oder stark abgenutzt? Starke Abnutzung kann ein Zeichen für eine hohe Laufleistung sein.
- Funktionstest: Funktionieren alle elektrischen Helfer? Fensterheber, Spiegelverstellung, Innenbeleuchtung, Heizung, Klimaanlage, Scheibenwischer – alles sollte einwandfrei funktionieren.
- Geruchstest: Riecht es muffig im Auto? Das könnte auf Feuchtigkeit hindeuten – ein Problem, das teuer werden kann.
- Kilometerstand: Passt der Kilometerstand zum Gesamtzustand des Innenraums? Starke Abnutzungsspuren bei niedrigem Kilometerstand sind verdächtig.
Schritt 4: Technik-Check – Blick unters Blech
Jetzt wird’s technisch. Ein Blick unter die Motorhaube und unters Auto ist Pflicht.
- Motorraum-Inspektion: Sieh nach Ölflecken, undichten Schläuchen und prüfe die Flüssigkeitsstände (Motoröl, Bremsflüssigkeit, Kühlwasser). Ein sauberer Motorraum ist ein gutes Zeichen, aber kein Garant für einen einwandfreien Zustand. Wie sieht das Motoröl aus? Dunkles, zähflüssiges Öl deutet auf einen überfälligen Ölwechsel hin.
- Unterboden-Check: Rost, Schäden und Öllecks – das alles kannst du am besten auf einer Hebebühne erkennen. Wenn du keine hast, hilft eine Taschenlampe. Achte besonders auf die tragenden Teile.
- Auspuff: Ist er rostig oder undicht? Das kann teuer werden.
Schritt 5: Probefahrt – Jetzt wird’s ernst
Die Probefahrt ist der wichtigste Teil der Gebrauchtwagenprüfung. Nur so kannst du herausfinden, wie sich das Auto wirklich fährt.
- Motorstart: Springt der Motor sofort an? Läuft er ruhig und gleichmäßig?
- Fahrtest: Wie beschleunigt das Auto? Zieht es beim Bremsen zur Seite? Fährt es sich gut in Kurven?
- Lenkung: Ist sie leichtgängig und präzise? Hat sie Spiel?
- Getriebe: Lassen sich alle Gänge problemlos und ohne Geräusche schalten?
- Bremsen: Teste die Bremsen mehrmals und aus unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Greifen sie gleichmäßig und ohne zu quietschen?
- Geräusche: Hör genau hin. Ungewöhnliche Geräusche können auf Probleme hindeuten.
- Klimaanlage und Heizung: Funktionieren sie einwandfrei?
Wichtig: Versicherungsschutz nicht vergessen
Bevor du zur Probefahrt startest, kläre unbedingt die Versicherungsfrage. Wer haftet, wenn etwas passiert?
Schritt 6: Verhandlung und Vertrag – So sicherst du dich ab
Wenn du mit dem Zustand des Autos zufrieden bist, geht es an die Verhandlung. Nutze festgestellte Mängel als Argumente, um den Preis zu drücken. Sei selbstbewusst und lass dich nicht unter Druck setzen. Im Kaufvertrag sollten alle Vereinbarungen, Zusicherungen (z.B. Unfallfreiheit) und Mängel schriftlich festgehalten werden. Lass dir alle Schlüssel und Dokumente aushändigen. Focus Online empfiehlt die Verwendung vorformulierter Kaufverträge – das gibt Sicherheit.
Experten-Check – Für alle Fälle
Du bist dir immer noch unsicher? Dann hol dir professionelle Hilfe. Organisationen wie TÜV SÜD, DEKRA oder ADAC bieten Gebrauchtwagenchecks an. Ein Sachverständiger kann Mängel aufdecken, die du vielleicht übersehen hast. Die TÜV SÜD HU-Checkliste kann dir weitere Anhaltspunkte geben, worauf du achten solltest. Bedenke aber, dass dies nur Beispiele für mögliche Anlaufstellen sind.
Sachmängelhaftung und Garantie
Beim Kauf von einem Händler hast du Anspruch auf Sachmängelhaftung. Das bedeutet, dass der Händler für Mängel haftet, die schon bei der Übergabe vorhanden waren – auch wenn sie erst später entdeckt werden. Die Sachmängelhaftung gilt für ein Jahr, kann aber im Vertrag auf ein Jahr verkürzt werden. Eine Garantie ist eine freiwillige Leistung des Händlers oder Herstellers und geht über die gesetzliche Sachmängelhaftung hinaus.
Fazit: Gründlichkeit zahlt sich aus
Ein Gebrauchtwagenkauf kann eine tolle Sache sein – wenn du sorgfältig vorgehst. Diese Checkliste hilft dir dabei, die richtige Entscheidung zu treffen. Aber verlass dich nicht nur auf die Liste, sondern auch auf deinen gesunden Menschenverstand. Stell Fragen, sei kritisch und hör auf dein Bauchgefühl. Ein vermeintliches Schnäppchen kann sich schnell als teure Falle entpuppen, wenn du nicht genau hinsiehst. Mit der nötigen Sorgfalt findest du aber bestimmt dein Traumauto!